Über Sebastian Muche

Sebastian Muche - Selbstporträt - Öl auf Leinwand - 46 x 57 cm - 1947

 

Sebastian Muche wurde am 24.09.1913 in Hering jetzt Otzberg geboren. Nach dem Umzug nach Oberursel/Ts. besuchte er hier zunächst die Volksschule und absolvierte  anschließend die Lehre zum Spengler. Während dieser Zeit nahm er bereits den ersten Malunterricht bei der Kunstmalerin Elisabeth Born. Diese wiederum hatte einen gewissen Bekanntheitsgrad, weil Sie in der Vergangenheit am Hofe des russischen Zaren gelehrt  und auch dort gemalt hatte. Unterstützung fand der junge Sebastian Muche bei Frau Seip, einer Unternehmergattin aus der Region (Eisengießerei Seip Oberursel/Ts).

1935 zog es Sebastian Muche aus beruflichen Gründen in die Ferne, nach Oschersleben. Hier war er längere Zeit bei den AGO Flugzeugwerken (anfangs  „Apparatebau GmbH Oschersleben“) als technischer Zeichner beschäftigt, was seiner nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeit wenigstens im Ansatz entgegenkam.  

Hier heiratete er am 18.04.1936 seine langjährige Ehefrau  Martha Muche geb. Pröser,  mit der er am 05.10.1937 die gemeinsame Tochter Edith Muche und am 15.07.1940 den Sohn Dietmar Muche bekam.

Die folgenden Jahre waren nun vom ausgebrochenen Krieg und ersten beginnenden Konflikten mit dem Staatsapparat geprägt. Ab 1938 absolvierte er seine militärische Ausbildung bei der Flak in Dessau.

Sebastian Muche nahm wohl am deutschen Feldzug im beginnenden Zweiten Weltkrieg gegen Polen und Frankreich teil und wurde später in Rommels Afrikakorps bei einer Flak-Batterie eingesetzt. In dieser Zeit erkrankte es auch an Malaria, was viele Jahre später über eine resultierende Herzkrankheit zu seinem frühen Tod führen sollte. Sebastian Muche kam im Zuge des endenden Afrikafeldzugs in englische Kriegsgefangenschaft, aus  der er erst im Jahre 1947 in die Heimat zurückkehrte.

Aus dieser gesamten Zeit ist auf Grund seiner langen Abwesenheit und der üblichen Ausblendung des Themas Krieg in den Familien wenig bekannt.

An die weitere Ausführung des Berufes in der Flugzeugindustrie war natürlich nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft nicht mehr zu denken. Sebastian Muche fand zunächst eine provisorische Anstellung als Zeichenlehrer an der Götheschule in Oschersleben bei dem damaligen Rektor Kniep. In Halle studierte er im Anschluss den Lehrerberuf und wurde Berufschullehrer im Metallfach an der Berufsschule in Oschersleben.

Auch hier kam es wieder zu Konflikten mit dem jetzt kommunistischen Machtapparat, wobei es um die Frage ging, ob die Prüfung der Lehrlinge im fachlichen oder eher im politischen Sinne geprägt sein sollte, wobei Sebastian das letztere ablehnte.

Nun führte im Sommer 1951 die Warnung von Freunden, dass aus politischen Gründen eine Deportation von Sebastian Muche, womöglich mitsamt der ganzen Familie nach Sibirien kurz bevorstand, zum fluchtartigen Verlassen Oscherslebens in Richtung Westen, nach Bad Homburg, wo ein Teil seiner Verwandtschaft und der seiner Frau wohnte.

Auch hier war das Leben zunächst geprägt von der Suche nach einem beruflichen Neuanfang und der Suche nach Wohnraum, den man zunächst bei der Familie Etzel (Fahrrad-Etzel) für Sebastian Muche fand und für die Mutter mit den zwei Kindern beim Schneidermeister Wilhelm Kiefer (ehemaliger Hoflieferant des Kaisers in Bad Homburg).

Die Suche nach einem Broterwerb im Metallfach führte letztendlich zu einer Anstellung bei der „P.I.V. Antrieb Werner Reimers KG“ (später „P.I.V. Werner Reimers GmbH & Co. KG“) als Hilfsarbeiter.

In dieser Zeit widmete sich Sebastian Muche wieder verstärkt der Malerei. Der Umzug der gesamten Familie in eine kleine Mansardenwohnung stellte ebenfalls eine deutlich spürbare Verbesserung der Lebensqualität und der allgemeinen Lebensumständen dar.

Als Autodidakt lernte der eigentliche Künstler ab jetzt auch die englische Sprache, was der kommerziellen Nutzung seiner künstlerischen Talente recht schnell zu Gute kommen sollte. In der Nachkriegszeit musste der Lebensunterhalt nun auch durch den Verkauf der Bilder bestritten werden. Fahrten mit der Straßenbahnlinie 25 nach Heddernheim zu den dortigen amerikanischen Kasernen und der Verkauf vor allem an amerikanische GI´s gehörten nun zum Alltag.

Das angesparte und im Malerschrank verwahrte Bargeld aus diesen Verkäufen diente dann später als Grundstock für den Aufbau und die Einrichtung der eigenen Wäscherei, des Waschsalons Martha in Kirdorf Mitte der fünfziger Jahre.

Ab 1957 war auch Sebastian Muches Sohn Dietmar im Familienunternehmen als Fahrer tätig, was nicht immer ohne Konflikte von statten ging. Das Ausfahren der gereinigten Wäsche erfolgte zunächst per Fahrrad und später mit dem ersten firmeneigenen PKW, einem DKW 3=6. Für die Wäsche des Großkunden P.I.V. wurde eine eigene Waschmaschine für die ölige Wäsche der Monteure angeschafft.

Anfang der sechziger Jahre wurde der Waschsalon verkauft, weil einerseits die verstärkt aufkommenden Haushalts-Waschmaschinen das Geschäft erschwerten und andererseits der Sohn Dietmar anderweitige berufliche Interessen entwickelte und die spätere Übernahme des Salons nicht in Betracht zog.

Ein unternehmerisches Abenteuer mit der gegründeten Firma „Fox, Steins, Muche“ im Vertrieb von Kunststofftreppen scheiterte zunächst mit großen finanziellen Einbußen und führte zur Rückkehr in das Angestelltenverhältnis, nun im Landratsamt bei der Bad Homburger Zulassungsstelle, wo Sebastian Muche den Rest seines Berufslebens verbrachte.    

In dieser Zeit und schon vorher gab Sebastian Muche weiter Malunterricht, so zum Beispiel auch dem beliebten und erfolgreichen Künstler Horst Käse, der noch immer in der Malerei sehr aktiv ist und zudem Bücher über seine Gemälde in kleiner Auflage selbst herausgibt.

Die künstlerische Arbeit war in Bad Homburg immer begleitet vom Engagement beim Bad Homburger Künstlerkreis und ehrenamtlichen Tätigkeiten. Sebastian Muche war langjähriges Mitglied und Kursleiter der Mal- und Werkschule des Kulturkreises Taunus-Rhein-Main e.V.

Im Jahr 1971 verstarb Sebastian Muches Ehefrau Martha.

Später heiratete Sebastian Muche seine zweite Frau Waltraut.

Sebastian Muche verstarb am Pfingstsamstag 02.06.1979 in Bad Homburg v. d. Höhe.

Die Bilder auf diesen Seiten entstammen dem Erbe von Sebastians Sohn Dietmar Muche. Wir sind bemüht, die Sammlung um weitere Stücke zu ergänzen und weitere Informationen zu Leben und Werk von Sebastian Muche auf dieser Seite zu veröffentlichen.

Es sollen noch einige Werke im Besitz der Enkelinnen aus der Linie der Tochter Edith Muche vorhanden sein.

Für Hinweise, Erläuterungen und Verbesserungen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung. Über eine Resonanz und Kontaktaufnahme im Feld „Kontakte“ würde ich mich sehr freuen.

Martin Muche

Oktober 2015